TATENDRANG: Matura 2020

Die Newsletter-Rubrik TATENDRANG richtet ihren Fokus regelmäßig auf neue Projekte in Schule und Übungsstätten. Als „Projekt“ kann die stufenweise Öffnung der Schulen wohl angesehen werden.„Das Zusperren war unzweifelhaft einfacher als das Aufsperren!”, bekannte selbst Bildungsminister Heinz Faßmann im Zuge der Pressekonferenz am 24. April….

Bitte wieder betreten…

…. heißt es für alle Maturantinnen und Maturanten!

Matura 2020 I KBAFEP

Seit 4. Mai drücken unsere Schülerinnen und Schüler der beiden Abschlussklassen zumindest sporadisch wieder die Schulbank. Entsprechend den Hygienebestimmungen kommt jede Schülerin allerdings in den Genuss eines eigenen Tisches, alle gut verteilt im größten Raum des Schulgebäudes – dem Festsaal. Bei einem Besuch im Ergänzungsunterricht der 5B für das Interview sitzen alle in Reih und Glied und sind gerne bereit, auf die Fragen nach ihrer außergewöhnlichen Situation zu antworten.

Der eigene Tisch mit recht großzügiger Arbeitsfläche kann ein Vorteil sein, doch, so die Ansicht vieler Schülerinnen, es fühlt sich auch merkwürdig an, so weit entfernt voneinander zu sitzen.  Die vorgegebene Sitzordnung verhindert, dass man in der Nähe der besten Freundinnen sitzt, das trübt die Stimmung in den letzten Tagen der schulischen Laufbahn. Eine der Maturantinnen erzählt: „Es fühlt sich schon noch an wie eine Klasse, aber nicht mehr wie zuvor, wir sind ja auch nur mehr in Deutsch zusammen, in Englisch sind wir geteilt. Ich komme mir vor wie beim Studieren, man geht einen Kurs, dann wieder heim.“ Auch in den Pausen bleiben, abgesehen vom Gang zur Toilette, alle bei den Tischen sitzen, wird mir erzählt, Zusammenstehen sei ja laut den vom Ministerium definierten Hygienemaßnahmen nicht erlaubt, auf Abstand wird geachtet.

Trotzdem ist der Großteil der 5B im Zuge der stufenweisen Schulöffnung wieder gerne in das Schulgebäude gekommen, der Alltag ist so von mehr Abwechslung gekennzeichnet und das Wiedersehen bereitet auch mit „Elefantenbabydistanz“ Freude. Man müsse sich halt über die Tische zurufen, wird berichtet, und Freistunden, die „früher“ viel Gelegenheit für Gespräche geboten haben, gibt es derzeit nicht. Soziale Kontakte seien nun nach den Lockerungen eher wieder außerhalb des Schulgebäudes möglich, wird mit spürbarer Erleichterung erzählt.

Eine Mischung aus Entlastung und Wehmut tut sich auf, wenn die jungen Frauen nach ihren Gedanken über die Maturaprüfung gefragt werden. „Als man von der Regierung gehört hat, wie sich die Note zusammensetzt, hat man gewusst: Okay, du hast die Matura, du bist durch,“ fasst eine Maturantin ihre Reaktion zusammen. Man trete nun mit einem guten, sicheren Gefühl zu den schriftlichen Klausurprüfungen an. Aber: Es gehe auch sehr viel Schönes verloren, so der einhellige Tenor. Maturastreich, Maturafeier und Maturareise werden durch die noch bestehenden Einschränkungen nicht möglich sein. Und überhaupt: Die spezielle, dann doch auch freudige Aufregung, mit der die Reife- und Diplomprüfung in früheren Jahren verbunden war, gehe dem diesjährigen Procedere leider ab.

Viel negative Stimmung werde in den sozialen Medien verbreitet, berichten die Maturantinnen. „Ihr kriegt die Matura ja geschenkt, müsst gar nichts dafür tun!“ oder „Ihr werdet schwer einen Job finden mit der Corona-Matura!“ sind Kommentare, die schlussendlich als verletzend erlebt werden. „Wir sind 13 Jahre lang in die Schule gegangen und das wird mit solchen Aussagen abgewertet,“ fassen die Maturantinnen zusammen. Zuversichtlicher klingen die Ansichten, ob die Erfahrungen der vergangenen Wochen langfristig Auswirkungen auf das System Schule haben könnten. „Das war ein Sprung in das kalte Wasser, so viel mit dem PC zu arbeiten.“, wird erzählt, aber für die Zukunft, so die befragte Jugend, könnte zunehmende Digitalisierung in einem guten Gleichgewicht mit „normalem“ Schulalltag schon Sinn machen. Zu überlegen sei nach Meinung der Maturantinnen auch, ob die Jahresnote generell stärker in die Note der Reife- und Diplomprüfung einfließen könnte, so wie es ja in anderen Ländern schon länger praktiziert wird.

Das Interview endet mit konstruktiven Ideen für die Zukunft und es ist Zeit, die Klasse wieder zu verlassen. Die Maturantinnen sagen zu, den Praxis-Newsletter zu abonnieren, um auch nach der Ausbildung Neues von der KBAfEP zu lesen und zu sehen. Wir wünschen den beiden Abschlussklassen für die bevorstehenden Klausuren alles Gute!

Das Interview mit der 5B führte Brigitte Webhofer MA.