TATSACHEN: Informelles Lernen

Die Rubrik TATSACHEN gibt wieder Einblicke in Entwicklungen an unserer Schule bzw. an den Übungsstätten.  Und derer gibt es gegenwärtig genügend: Von einem Tag auf den anderen wurde der Schulbetrieb auf Home-schooling umgestellt, das brachte große Herausforderungen mit sich….

Im Lehrplan nicht vorgesehen, fürs Leben erforderlich –
Informelles Lernen zur Zeit des Fernunterrichtes

Home-schooling, distance education, e-learning, Online learning resources – In der aktuellen, vom Coronavirus geprägten Zeit wächst in unserer Schulgemeinschaft nicht nur das Lexikon für weitgehend synonyme Anglikanismen für Fernunterricht. Vielmehr findet Entwicklung in einem Bereich des Lernens statt, dem im regulären Schulalltag häufig wenig(er) Beachtung geschenkt wird – dem informellen Lernen.

Die explizite Form des Lernens an unserer Schule findet üblicherweise in staatlich organisierten Bildungs- und Lernarrangements statt. Dieses formale Lernenwird in Österreich etwa durch verbindliche allgemeine Bildungsziele, Lehrpläne, Lehrstoffe und Bildungs- und Lehraufgaben bestimmt.

Demgegenüber erfolgt informelles Lernenim alltäglichen Handeln in Beruf und Privatleben, ohne pädagogische Begleitung und ohne inhaltliche und zeitliche Vorgaben für das Lernen. Beim informellen Lernen ist es „nicht das primäre Ziel […], etwas Bestimmtes zu lernen, sondern mit Hilfe des Lernens eine andere Absicht besser zu verwirklichen, d.h. dass das informelle Lernen sich meist im Zusammenhang mit anderen Tätigkeiten und anderen Zielsetzungen als sinnvolle und notwendige Hilfe zum besseren Zurechtkommen in der Umwelt ergibt“ (Dohmen 2001, S. 23).

Liest man die Rückmeldungenzu bisherigen Erfahrungen mit distance learning der Schülerinnen und Schüler unserer KBAfEP, so wird klar, dass neben explizit formalem Lernen in Online-Form derzeit auch große Entwicklungen im Bereich informellen Lernens durch Persönlichkeits­bildung und den Erwerb von lebenspraktischen Schlüsselkompetenzen zu beobachten sind:

  • „Ich fühle mich so erwachsen, seit ich für die fristgerechte Abgabe und Organisation meiner schulischen Aufgaben ganz auf mich gestellt und verantwortlich bin. Es gelingt mir immer besser, mir meine Zeit auch daheim diszipliniert einzuteilen und meine Aufgaben sinnvoll zu strukturieren.“
  • „Das Positive ist, dass ich nun auch Zeit dafür habe, andere wichtige Dinge im Leben zu lernen. Zum Beispiel kann ich nun, mit fast 18 Jahren, die Waschmaschine bedienen.“
  • „Ich sehe diese Zeit als Chance, mich wieder Aktivitäten und Menschen zu widmen,
    für die ich früher nicht so viel Zeit hatte.“
  • „Ich muss zugeben, dass ich Bildung erst jetzt richtig zu schätzen weiß. Ob man es glaubt oder nicht: Ich vermisse nicht nur meine Freundinnen und Freunde in der Klasse, sondern auch den Unterricht vor Ort und den persönlichen Kontakt mit meinen Lehrerinnen und Lehrern. Ich freue mich richtig darauf, wieder in die Schule gehen zu dürfen.“

Informelles Lernen ist also ein wertvoller Effekt des aktuellen Fernunterrichtes. Wir freuen uns darauf, neu erworbene Einsichten und Entwicklungen, die nicht nur bei Schülerinnen und Schülern, sondern auch beim Lehrpersonal zum Tragen kommen, hoffentlich bald auch live im Schulalltag miterleben zu dürfen.

Dieser Beitrag wurde von Stefanie Oberländer-Rett BA MA, Lehrerin an der KBAfEP, verfasst.

 

Quellen:

Dohmen, Günther (2001): Das informelle Lernen. Die internationale Erschließung einer bisher vernachlässigten Grundform menschlichen Lernens für das lebenslange Lernen aller.Herausgegeben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Bonn
Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) (2005): Definition und Auswahl von Schlüsselkompetenzen. Zusammenfassung.Verfügbar unter www.deseco.admin.ch/bfs/deseco/en/ index/03/04.html, am 15.04.2020

Bildnachweis:

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