TATKRÄFTIG: GInA – Gestaltung von Interaktionen im pädagogischen Alltag

TATKRÄFTIG nennt sich jener Bereich des Newsletters, der sich mit Veränderungen und Innovationen in der Elementarpädagogik beschäftigt.

Alle, die im pädagogischen Bereich mit Kindern arbeiten, kennen das: Vor lauter inhaltlicher Vielfalt und (Sprachförder-)Programmen hat man immer wieder das Gefühl, hier kommt doch etwas zu kurz! Es sind die Gespräche mit dem einzelnen Kind, vor allem mit den Kindern, die selten im Mittelpunkt stehen, mit denen, die eher als „Zaungäste“ das Geschehen verfolgen. Wie können wir auch diese Kinder erreichen und eine feinfühlige und bewusste Interaktion pflegen? Ein neues Verfahren soll dem fachlichen Team helfen, mit den Kindern in Dialog zu treten….

Darf ich vorstellen?  Der Name lautet „GInA“!

Das Institut für psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung der Universität Innsbruck lud am 03. April 2019 zum Gastvortrag von Prof.inDr.inDörte Weltzien, Professorin für Pädagogik der Kindheit an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Am Programm stand das u.a. von ihr entwickelte videogestützte Verfahren GInA. Der Name klingt attraktiv – der Inhalt ist es ebenso. GInA steht für die Gestaltung von Interaktionen im pädagogischen Alltag (Weltzien 2014).

Den wissenschaftlichen Überlegungen liegt die Annahme zugrunde, dass eine hohe Beziehungsqualität in Familien und pädagogischen Institutionen positive Wirkungen auf die gesamte kindliche Entwicklung, insbesondere für die Stärkung seelischer Widerstandskraft (Werner 2006, Luthar 2006, Wustmann 2004) hat. Kinder und pädagogische Fachkräfte sprechen miteinander, schauen sich zu, regen sich gegenseitig an, fordern sich heraus. Wenn es gelingt, die Interaktionen mit dem Kind in einer feinfühligen, angemessenen Weise zu gestalten, seine Bedürfnisse in den Blick zu nehmen und angemessen darauf zu reagieren, können sich Beziehungen entfalten, die für das Kind und dessen Entwicklung bedeutsam sind. Wie diese Interaktionen gestaltet werden, ist sprachlich schwer zu fassen und geschieht häufig stark intuitiv.

GINA Tatkräftig I Kbafep Kettenbrücke Innsbruck

Im Rahmen des Verfahrens werden 4-minütige videographierte Szenen aus dem Kindergarten- oder -krippenalltag mithilfe der drei entwickelten Skalen – Beziehung gestalten, Denken und Handeln und Sprechen und Sprache anregen mit jeweils weiteren Items systematisch ausgewertet, kriteriengeleitet analysiert, (selbst-)reflektiert und die Ergebnisse in die eigene Praxis transferiert.

GInA ist mehr als nur ein klingender Name. Das Verfahren kann als praxiserprobtes und anwendbares Instrument zur Team- und Qualitätsentwicklung wertvolle Inputs zur weiteren Professionalisierung des elementarpädagogischen Berufsfeldes geben. Selbst ausprobieren ist von Seiten der AutorInnen ausdrücklich gewünscht und gewollt. Das nehmen wir als Katholische BAfEP ernst und bauen Elemente in die Beobachtungsaufträge unserer dritten Klassen ein.

Neugierig geworden? Dann lohnt sich ein Blick auf die Homepage des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung der Evangelischen Hochschule Freiburg: www.zfkj.de/index.php/forschungsaktivitaeten/gina

Der Bericht wurde von Stefanie Oberländer-Rett BA MA, Lehrerin an der Kath. BAfEP, verfasst.

Quellenangaben und Tipps zum Weiterlesen:

  • Luthar, Suniya (2006). Resilience in Development: A Synthesis of Research across Five Decades. In: D. Cicchetti, & D. J. Cohen (Hrsg.), Developmental Psychopathology: Risk, Disorder, and Adaptation (739-795). New York: Wiley.
  • Weltzien, Dörte (2014). Pädagogik: Die Gestaltung von Interaktionen in der Kita. Merkmale – Beobachtung – Reflexion. Weinheim und Basel: Beltz/Juventa.
  • Werner, Emmy (2006). Wenn Menschen trotz widriger Umstände gedeihen – und was man daraus lernen kann. In: Welter-Enderlin & Hildenbrand (Hrsg.), Resilienz – Gedeihen trotz widriger Umstände. Heidelberg: Carl Auer Verlag.
  • Wustmann, Corina (2004). Resilienz: Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern. Beiträge zur Bildungsqualität. Weinheim: Beltz.