TATKRÄFTIG: Bauernhofkindergarten in Kundl

In der Newsletter-Rubrik TATKRÄFTIG geben wir Einblick in gegenwärtige Entwicklungen im Praxisbereich und in der Elementarpädagogik. Aktuell berichten wir von einem interessanten neuen Konzept: dem Bauernhofkindergarten in Kundl.

Wenn wir Erwachsene uns an unsere Schulzeit zurückerinnern, dann denken wir häufig als erstes an Ausflüge, Lehrausgänge, Sportwochen, Projekte und andere Highlights der Schullaufbahn. Weil solche besonderen Erlebnisse uns berühren und all unsere Aufmerksamkeit und Wahrnehmung in Anspruch nehmen, bleiben sie uns im Gedächtnis. Das ist ein Grund dafür, immer wieder mit Klassen nicht alltägliche Unternehmungen einzubauen. Zudem ist es wichtig, als (angehende) Kindergartenpädagoginnen und –pädagogen aktuelle Entwicklungen im elementarpädagogischen Bereich neugierig und offen zu verfolgen und sich aktiv damit auseinanderzusetzen.

Daher machte sich eine der dritten Klassen im Oktober dieses Jahres auf ins Unterland, um ein neues Konzept in seiner Umsetzung zu bestaunen: Den Bauernhofkindergarten in Kundl. Verena Prosch, Leiterin des Sandoz Kids Kindergartens und Christine Hörhager, die Besitzerin des idyllischen Marcherhofs in Liesfeld, begrüßten uns herzlich. Wir bekamen einen Einblick in das pädagogische Konzept und konnten Kinder dabei beobachten, wie sie kompetent und ohne Scheu ein Pony striegelten und streichelten. Die Versorgung der Tiere am Bauernhof ermöglicht den Kindern ein Vertraut werden mit ökologischen und ökonomischen Zusammenhängen. Es sind intensive Momente für das Kind, wenn es ein frisch gelegtes Ei in die Hand nehmen kann oder in eine frisch gezogene Karotte beißt.

Neben dem Hof können die Kinder auf einer großen Wiese ihren Ideen nachgehen und erhalten Freiraum für ihr Bewegungsbedürfnis. Ein moderner und gemütlicher Waggon sorgt für Rückzugsmöglichkeit und bietet Platz für ruhigere Aktivitäten.

Als die Schülerinnen und Schüler nach der Exkursion ihre Eindrücke sammelten, zeigte sich, dass folgende Aspekte die Jugendlichen am meisten beeindruckten:

  • Die Kinder können durch den regelmäßigen Kontakt mit den Tieren eventuell vorhandene Ängste überwinden.
  • Sie übernehmen durch das Verpflegen der Tiere und den richtigen Umgang mit ihnen Verantwortung.
  • Der Aufenthalt in der Natur ermöglicht Entspannung, viel frische Luft, ein Lernen mit allen Sinnen und stärkt das Immunsystem.

Was den Schülerinnen und Schülern allerdings zu denken gibt, ist der Aufenthalt im Freien auch bei kaltem und nassem Wetter. Da es am Lehrausgangstag selbst auch recht frostig war, wurde uns bald klar, was es heißt, einige Stunden mit den Kindern im Freien zu verbringen: Neben einer starken Natur- und Tierverbundenheit braucht die BauernhofkindergartenpädagogIn vor allem warme und wetterfeste Kleidung!

In Deutschland entstanden die ersten Bauernhofkindergärten vor rund 15 Jahren, nun ist dieses Konzept auch bei uns angekommen. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese ungewöhnliche Idee ähnlich stark durchsetzen wird wie das Konzept Waldkindergarten. Nach unserem Besuch in Kundl finden wir das jedenfalls wünschenswert, es war ein inspirierender Vormittag!

Dieser Beitrag wurde verfasst von:

Brigitte Webhofer MA (Lehrerin für Didaktik und Praxis an der KBAfEP)