Tatendrang: Medienpädagogisches Arbeiten in elementaren Bildungseinrichtungen

Die Newsletter-Rubrik TATENDRANG befasst sich mit für Übungsstätten umsetzbaren Inhalten und Ideen, diesmal geht es um Medienpädagogik. Die Frage, OB wir unseren Kindern Medien zumuten, erübrigt sich: Kinder der Gegenwart leben in einer digitalisierten Welt. Medienpädagogik gibt uns Antworten darauf, wie wir Medien sinnvoll einsetzen können – darauf geht folgender Beitrag ein…..

 

Medienpädagogisches Arbeiten in elementaren Bildungseinrichtungen

Fotopädagogik im Kindergarten

Unsere Kinder wachsen in einer Medienwelt auf, darum ist es an der Zeit, medienpädagogische Bildungsarbeit auch in den Kindergarten einfließen zu lassen. Kompetenzen im Umgang mit Medien gehören zu den so genannten Schlüsselkompetenzen einer modernen Informationsgesellschaft. Die Vermittlung von Medienkompetenz im pädagogisch didaktischen Ansatz der Ko-Konstruktion stellt eine umfangreiche Herausforderung für pädagogische Fachkräfte dar und verlangt von den Fachkräften, dass sie selbst medienkompetent sind, medienpädagogische Fähigkeiten besitzen und mit Engagement und Begeisterung Medienarbeit in all ihren Facetten im Kindergarten gemeinsam mit den Kindern umsetzen.

Medienkompetenz

Der griechisch-deutsche Pädagoge und Psychologe W. E. Fthenakis sieht Medienkompetenz als Metakompetenz. Er versucht im Buch „Frühe Medienbildung“ ein Rahmenkonzept zu entwickeln, in dem Ziele der Medienkompetenz definiert werden, die sich in vier Kategorien unterteilen:

A     Erfahrungen und praktische Kenntnisse im Umgang mit Medien

Die Kinder entdecken Medien im Alltag und lernen spielerisch den Umgang damit. Wichtig ist es, den Kindern zahlreiche Zugänge zu verschiedenen Medien zu ermöglichen.

B     Nutzung von Medien für eigene Anliegen, Fragen und sozialen Austausch

Medien sind Werkzeuge, sie dienen als Informationsquelle, sind Mittel zur Kommunikation und auch zum kreativen Ausdruck, z.B. dank Digitalkamera.

C   Verarbeitung und Reflexion des eigenen Umgangs und eigener Erfahrung mit Medien

Medienerlebnisse beschäftigen Kinder auf emotionaler Ebene. Sie identifizieren sich z.B. mit Fernsehhelden, übernehmen Medienfiguren in ihr Spiel und setzen sich symbolisch mit Ängsten, Wünschen und Konflikten auseinander.

D      Kenntnisse und Reflexionen der Machart und Funktion von Medien

Medien sind von und für Menschen gemacht. Diese Erkenntnis müssen die Kinder erlangen. Viele Medien produzieren eine neue Wirklichkeit. Die Kinder müssen für die Absichten von Medien sensibilisiert werden.

(vgl.: Fthenakis, W. E., Schmitt, A., Eitel, A., Gerlach, F., Wendell, A. und Daut, M. (2009): Natur-Wissen schaffen. Band 5: Frühe Medienbildung. Troisdorf: Bildungsverlag EINS)

 

Fotoprojekte mit Kindern – Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Fotografie ermöglicht inhaltliche Vielfalt und kann im situationsorientierten Arbeiten sinnvoll und vor allem jederzeit eingesetzt werden. Fotografieren wird gelernt durch Ausprobieren, Versuch und Irrtum.

Viele elementarpädagogische Einrichtungen verfügen heute über Computer samt Zubehör wie Drucker und Scanner. Meist zählt auch eine Digitalkamera zum Inventar. Ohne großen Aufwand können heute Bilder erstellt und bearbeitet werden.

Ein Fotoprojekt mit Kindern durchzuführen, ist einfach und unkompliziert. Wichtig ist im Vorfeld einige fototechnische Faktoren mit den Kindern zu besprechen. Dazu ist es gut, Fotos vorzubereiten, die aus verschiedenen Perspektiven (Frosch-, Vogel- und Normalperspektive) und in unterschiedlichem Format (Hoch- und Querformat) aufgenommen wurden. Hierbei können auch Begriffe wie Schärfe, Unschärfe, Detailportrait, Portrait, Farbbild, Schwarz-Weiß-Aufnahme geklärt werden.

Zu Beginn des Projektes wird mit den Kindern überlegt, wer schon einmal fotografiert hat, wo Fotos ausgestellt sind, wie ein Fotoapparat funktioniert, worauf man beim Fotografieren achten muss.

Anschließend gibt man den Kindern Gelegenheit zum Üben. In der Explorationsphase festigen die Kinder die Informationen und machen sich mit den technischen Gegebenheiten vertraut. Dabei werden ihre kreativen Kompetenzen angeregt.

Ein bestimmtes Thema aus dem Alltag der Kinder kann zum Fotomittelpunkt werden (z.B. die Jause, die Gruppe und ihre einzelnen Mitglieder, das Spielzeug, der Weg nach Hause…)

Verschiedene Impulse und Fragen wecken die Motivation, mit der Kamera auf Entdeckungsreise zu gehen:

  • Wie sieht dein Kindergartenweg aus?
  • Was ist dein Lieblingsplatz im Kindergarten?
  • Wer gehört zu deiner Familie?
  • Was siehst du, wenn du aus dem Fenster schaust?

(vgl. https://www.medienpaedagogik-praxis.de/2012/12/15/fotoprojekte-mit-kindern/ )

Wertvolle Belange, die mit den Kindern besprochen werden sollten, sind:

  • Was ist das Besondere an dem Bild?
  • Sieht man das Wichtigste auch gut?
  • Aus welcher Perspektive möchte ich fotografieren?
  • Welche Geschichte erzählt das Bild?

 

Die Kinder erfassen am Monitor der Kamera sofort ihr Bild und können beurteilen, ob sie den Ausschnitt wunschgemäß getroffen haben. Kinder entscheiden, ob ihnen das Foto so passt, ansonsten können sie das Bild eventuell gleich noch einmal aufnehmen.

Beim Fotografieren werden Details aus verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven erfasst, was zu Überraschungen beim späteren Anschauen der Fotos führen kann. Durch die Zoomfunktion werden Teilstücke sichtbar, die zuvor vielleicht nicht bewusst wahrgenommen wurden. Die belebte Natur mit ihren Phänomenen löst bei den Kindern Faszination und Begeisterung aus.

Die Fotos können schließlich am Computer mit Bildbearbeitungsprogrammen problemlos verändert und bearbeitet werden. Die gewonnenen Eindrücke und Beobachtungen der Kinder werden von den PädagogInnen wahrgenommen und dienen für weitere Aktivitäten.

Für das Betrachten der Bilder über Beamer oder Computer ist es ratsam, mit den Kindern eine Vorauswahl zu treffen, um die Fülle an Bildern zu begrenzen. Natürlich müssen von allen Kindern, die zu einem bestimmten Thema fotografiert haben, Fotos dabei sein!

Zu den einzelnen Bildern können die Kinder Geschichten erfinden und die Bilder auch musikalisch untermalen. Die Bilddateien, die am Computer gespeichert werden, können für weitere kreative Fotowerke und Fotospiele genutzt werden (Fotomemory, Dalli-Klick, Collagen…).

Da jedes Fotoprojekt ein einzigartiges Werk ist, verdient es präsentiert zu werden. In einer Fotoausstellung wird die Sicht der Kinder auf die Welt ganz individuell dargestellt.  Der Stolz der jungen FotografInnen auf ihre eigenen Fotos und die Begeisterung am Selber-Tun wird bekräftigt.

Weiterführende Links:

https://www.knipsclub.de/alles-ueber-fotografie/

https://www.medienpaedagogik-praxis.de/2012/12/15/fotoprojekte-mit-kindern/

http://www.kamerakinder.de/fotopaedagogik.html

http://www.bibernetz.de/wws/filmclip-fotografie.html

 

 

Der Beitrag wurde verfasst von:

Daniela Klingler MA (Lehrerin für Didaktik, Praxis, Pädagogik an der Kath. BAfEP in Innsbruck)